Wenn wir vom Siegel „Fairtrade“ hören, denken wir meist an Kaffee aus Kolumbien, Kakao aus Ghana oder Bananen aus Ecuador. Wir finden das Prinzip wichtig und richtig: Es geht darum, Erzeuger im globalen Süden gerecht zu bezahlen, lange Lieferketten transparenter zu machen und die Umwelt zu schonen.
Wer diesen Gedanken der Fairness und Nachhaltigkeit konsequent zu Ende denkt, muss für das Sonntagsfrühstück jedoch gar nicht in die Ferne schweifen. Ja, Fairtrade Honig aus Südamerika gibt es auch im Eine-Welt-Laden. Regionaler BIO Honig erfüllt die Kernkriterien des Fairtrade-Gedankens aber ebenso – direkt vor der Haustür und ganz ohne internationales Siegel.
Die Imkerei in Deutschland ist ein arbeits- und inverstitionsintensiver Zweig der Landwirtschaft, der zu über 95 Prozent von Freizeitimkern und Nebenerwerbsbetrieben betrieben wird. Wer Honig direkt beim Imker oder im regionalen Handel kauft, sorgt dafür, dass die Wertschöpfung zu 100 Prozent beim Erzeuger bleibt. Es gibt keine Großkonzerne oder anonymen Zwischenhändler, die die Preise drücken. Ein fairer Preis für das Glas Honig sichert das Überleben eines traditionsreichen Landwirtschaftszweigs, der angesichts von Billigimporten und Honigfälschungen auf dem Weltmarkt massiv unter Druck steht.
Zudem stellen die meisten Imker lange nicht alle Kosten in Rechnung. Oft wird mit einem Arbeitslohn kalkuliert, der weit unter der Mindestlohngrenze liegt. Dies grenzt an Selbstausbeutung angesichts der schweren körperlichen Arbeit in der Imkerei.
Die Imkerei bringt zudem hohe Investitionen mit sich: Schleuder- und Lagerräume, Honigschleuder, Rührgerät, Entdeckelungsmaschine, Abfüller, Bienenbeuten und Zubehör, etc. – das geht in die Tausende. Alles muss den Gesetzen der Lebensmittelsicherheit entsprechen.
Natürlich muss auch die ökologische Fairness berücksichtigt werden, d. h. die Bestäubungsleistung der Bienen, die in keiner Weise entlohnt wird, sie wird als selbstverständlich angesehen. Rund 80 Prozent der heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind aber auf die Bestäubung durch Honig- und Wildbienen angewiesen.
Mit dem Kauf von Importhonig unterstützen wir die Natur auf der anderen Seite der Erde. Mit dem Kauf von heimischem Honig finanzieren wir die Bestäubung unserer eigenen Obstbäume, Rapsfelder und Wildblumen.
Imkerinnen und Imker von nebenan leisten somit einen unbezahlbaren Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt und zur Stabilität unseres Ökosystems. Davon profitiert die gesamt Gesellschaft.
Durch Billigimporte und gefälschtem Honig stehen deutsche Imkerinnen und Imker unter erheblichem Druck, sodass viele bereits die Völkerzahl reduziert oder ganz aufgegeben haben. Diese Krise kommt nun auch im Zuliefergewerbe an.
Ein zentraler Aspekt von Nachhaltigkeit und Fairness gegenüber zukünftigen Generationen ist der CO₂-Fußabdruck. Während Honigmischungen aus dem Supermarkt oft tausende Kilometer auf Containerschiffen und in LKWs quer über den Globus transportiert werden, legt der Honig aus der Region oft nur minimale Strecken zurück. Weniger Emissionen bedeuten aktiven Klimaschutz.
Regionaler BIO Honig ist transparent und rückverfolgbar. Bei vielen Industriehonigen („Mischung aus EU- und Nicht-EU-Ländern“) weiß niemand so genau, woher das Produkt eigentlich stammt. Hier sollte nun allerdings die neue Kennzeichnungsverordnung helfen. Beim heimischen Honig – insbesondere unter dem strengen Siegel von BIOLAND ist die Lieferkette maximal kurz und transparent. Uns können Sie persönlich fragen, wo die Bienenvölker standen und wie der Honig geschleudert wurde. Gerne kann man auch bei uns vorbei kommen. Diese Nähe schafft ein tiefes Vertrauen, das kein Zertifikat der Welt ersetzen kann. Heimischer Honig ist die Definition von global gedachtem und lokal gehandeltem Naturschutz. Er ist fair zum Imker, fair zur Umwelt, fair zum Klima und fair zum Verbraucher, der ein echtes, unverfälschtes Naturprodukt erhält. Wer also das nächste Mal Honig kauft, darf das Glas aus der Region mit bestem Gewissen als das betrachten, was es ist: Ein echtes Stück Fairtrade von nebenan.






