Seit einiger Zeit wird heftig um die Konkurrenz zwischen der Honigbiene und Wildbienen diskutiert.
Es gibt zwar Studien, die unter bestimmten Bedingungen (wie Nahrungsmangel in Schutzgebieten) eine Nahrungskonkurrenz zeigen. Das sind aber seltene Einzelfälle.
Denn es gib stichhaltige Argumente bezüglich Körperbau, Verhalten und Ökologie die gegen eine pauschale oder flächendeckende Konkurrenz sprechen.
Aus meiner langjährigen Erfahrung als Naturliebhaberin und Imkerin und den Büchern über Wildbienen, die ich gelesen habe, sehe aus folgenden Gründen keine Konkurrenz zwischen den beiden Bienengruppen, vielmehr aber, dass sie sich bei der Bestäubungsleistung ergänzen.
Es wurde wissenschaftlich festgestellt, dass Wildbienen und Honigbienen im Laufe der Evolution unterschiedliche Überlebensstrategien entwickelt haben, was zu einer natürlichen Aufteilung der Nahrungsquellen und Nistgelegenheiten geführt hat.
Es gab eine Ko-Evolution zwischen den Bienenarten und den Blütenpflanzen, so dass sich sehr spezialisierte Bienenarten entwickelt haben, die nur spezielle Pflanzen anfliegen.
Über 90 % der Wildbienenarten sind Solitärbienen, und viele von ihnen extrem auf bestimmte Pflanzenfamilien oder sogar nur eine einzige Pflanzenart spezialisiert (z. B. die Zaunrüben-Sandbiene). Die Rüssellänge der Biene bestimmt, welche Blüten sie anfliegen kann.
Die Honigbiene hingegen ist eine Generalistin mit relativ kurzem Rüssel: Sie fliegt hauptsächlich Blüten an, die in massenhaft blühen, unter anderem auch Bäume, die Honigtau abgeben. Sie ist sehr effizient im Ausnutzen von Massentrachten. Im Bienenstock wird die Information über die Trachtquelle kommuniziert. Die anderen Bienen müssen von der Scoutbiene, die die Nahrungsquelle gefunden hat, davon überzeugt werden, dass diese lukrativ ist – dann fliegen alle hin. Dies nennt man Blütenstetigkeit: Honigbienen nutzen zur Kommunikation den Schwänzeltanz. Sie konzentrieren sich als ganzes Volk auf solche Massentrachten (z. B. Rapsfelder, blühende Obstbäume, Robinien etc.). Wildbienen hingegen nutzen meist einzelne Pflanzen, die für ein Honigbienenvolk gar nicht lohnend wären.
Die Blütenstetigkeit ist der Hauptgrund für die großartige Bestäubungsleistung der Honigbiene. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen haben herausgefunden, dass die Ernte durch die Bestäubung der Honigbiene wesentlich höher ist als ohne sie. Dies könnten einzelne Solitärbienen nicht leisten und somit auch keine Ernährungssicherheit herstellen.
Die Solitärbienen legen keine Vorräte an und auch die staatenbildenden Hummeln nur bedingt. Deshalb leiden Sie besonders unter wetterbedingten Rückschlägen oder lang anhaltendem schlechten Wetter. In diesem Jahr gibt es zwar relativ viele rote Mauerbienen, allerdings nicht so viele Hummeln wie sonst. Diese haben wohl stark unter den sehr alten Nächten im Frühling gelitten und auch Starkregen setzt ihnen zu, da sie sehr oft in Mausehöhlen nisten, die sehr von starken Regenfällen betroffen sind. Wären wir und die Landwirtschaft nur auf Wildbienen bei der Bestäubung angewiesen, sähe es schlecht für die Nahrungssicherheit aus.
Gezüchtete Hummelvölker und Wildbienen, die oft zur Bestäubung eingesetzt werden, bringen wieder andere Probleme mit sich.
Die Anatomie der Bienen bestimmt, welche Blüte sie überhaupt effektiv anfliegen können. Hier gibt es kaum Überschneidungen zwischen Honigbienen und vielen Wildbienenarten:
Viele Hummeln und bestimmte Wildbienenarten haben deutlich längere Rüssel als die Honigbiene. Sie können tiefere Blütenkelche z. B. von Rotklee erreichen, an die die Honigbiene nicht herankommt. Manche Wildbienen sind so winzig, dass sie an Blüten herankommen, die für die Honigbiene ungeeignet sind.
Honigbienen und viele Wildbienenarten sind zu unterschiedlichen Zeiten aktiv – sowohl im Jahresverlauf als auch tageszeitlich:
Viele Wildbienenarten haben eine sehr kurze Lebensspanne von nur wenigen Wochen im Jahr (z. B. nur im frühen Frühjahr oder nur im Spätsommer). Wenn sie aktiv sind, fliegen sie oft spezifische Frühlings- oder Herbstblüher an, während die Honigbiene das ganze Jahr über (von Frühjahr bis Herbst) aktiv ist und ihre Schwerpunkte verschiebt.
Hummeln und einige Wildbienen wie die rote Mauerbiene können aufgrund ihres Körperbau und ihrer Behaarung schon bei deutlich niedrigeren Temperaturen (ab ca. 5–8 °C) und schlechterem Wetter fliegen als die wärmeliebende Honigbiene (die meist erst ab 10–12 °C aktiv wird). Dadurch sind sie oft schon früh Morgens und spät Abends unterwegs.
Honigbienen und Wildbienen ergänzen sich somit in ihrer Bestäubungsleistung.
Das Problem ist der Rückgang des Lebensraums, die Flächen Versiegelung, Pestizide und leblose Rasengärten mit ständig laufendem Mähroboter. Pestizide sind bis in die entlegensten Berglandschaften zu finden und in erster Linie verantwortlich für den massiven Rückgang der Insekten. Die Honigbiene ist nicht das Problem. Die Anzahl der imkerlich betreuten Bienenvölker ist seit vielen Jahrzehnten auf dem gleichen Stand geblieben bzw. seit den 1950er stark zurückgegangen. Damals gab es über 2 Millionen Bienenvölker, heute knapp unter 1 Million. Die Situation der Verarmung der Landschaft durch die Flurbereinigung, d.h. die Flächenzusammenlegung und das Ausräumen der Landschaft wird sogar schon in der AID Broschüre „Der Bauer und die Bienen“, herausgegeben1954 vom AID beklagt. Seitdem hat sich die Situation leider nicht verbessert.
Die Honigbiene ist außerdem kein neues Konstrukt, sie existiert schon seit Millionen von Jahren. Seit nachweislich etwa 6000 Jahren wird sie genutzt, um Honig zu gewinnen. Sie ist aber auch heute nicht komplett domestiziert. Sie ist immer ein Wildtieren geblieben. Dies zeigt zum Beispiel der Schwarmtrieb. Auch wenn Imker versuchen, diesen wegzuzüchten, gelingt dies nur bedingt.
In einer strukturreichen Kulturlandschaft mit Blühstreifen, Hecken und Brachflächen gibt es mehr als genug Nahrung für alle.
Wildbienen leiden zudem unter dem Mangel an geeigneten Nistplätzen, z. B. Totholz, offene Bodenstellen, Trockenmauern, Sandflächen. Da Honigbienen in vom Imker bereitgestellten Kästen leben konkurrieren sie nicht um Wohnraum.
Eine generelle Konkurrenz existiert nicht. Durch unterschiedliche Rüssellängen, Spezialisierungen auf bestimmte Pflanzen, unterschiedliche Flugzeiten und die Vorliebe der Honigbiene für Massenblüten kommen sich die Honigbienen und die allermeisten Wildbienenarten in einem nicht in die Quere.
In unserem naturnahen Hausgarten dürfen sich Blumen versamen, wachsen Wildkräuter, vielerlei Sträucher und Bäume. Es ist für jeden Platz. So gibt es eine Vielzahl von Insekten, Wildbienen, Vögel, Igel, Fledermäuse und sogar Schlangen, Hirschkäfer und Amphibien – neben der Honigbiene. Unsere Wildbienenhotels sind voll. Es muss noch ein größeres her. Der Hauptgrund dafür ist, dass wir unseren Mitgeschöpfen einen abwechslungsreichen Lebensraum bereitstellen. Wenn jeder in seinem Garten eine Vielfalt an Blüten und Lebensraum für die Wildbienen bereitstellen würde, wäre diesen Insekten schon viel geholfen.
Quellen: „Hummel, Bienen und Wespen im Garten“ von Helmut und Margit Hintermaier, „Wildbienen – die anderen Bienen“ von Paul Westrich. Page, Robert E. „Die Kunst der Bienen“











